Erste Brote mit dem Siegel ‚Ohne Gentechnik‘ gekennzeichnet

Die Auszeichnung von Brot mit dem Siegel ‚Ohne Gentechnik‘ ist neu. Das Siegel wird nun erstmalig in Deutschland von zwei Bäckereien, Mitgliedsbetriebe des Vereins Die Bäcker. Zeit für Geschmack, genutzt. Vergeben wurde das Siegel des ‚Verband Lebensmittel Ohne Gentechnik‘ (VLOG) an die Brotmanufaktur der Autostadt ‚Das Brot.‘ in Wolfsburg sowie an die Bäckerei Hönnige in Weinsberg.

Mit der Kennzeichnung ‚Ohne Gentechnik‘ und dem Kauf dieser Produkte werden traditionelle Landwirtschaftsbetriebe gefördert, die sich eindeutig dazu bekennen keine gentechnisch veränderten Pflanzen anzubauen. Damit kann dazu beigetragen werden, die Verbreitung von gentechnisch veränderten Organismen zu verhindern und die gentechnikfreie Erzeugung von Saatgut und Lebensmitteln für unsere Nachkommen zu sichern.
Am Anfang der landwirtschaftlichen Nahrungsmittelerzeugung steht das Saatgut. Die Kontrolle über unser Saatgut bedeutet die Kontrolle über unser Leben, unsere Lebensmittel und unsere Freiheit. Was uns zukünftig aufgetischt wird liegt in unserer eigenen Verantwortung und ganz konkret an unserem Einkaufsverhalten. Für die bewusste Wahl unserer Lebensmittel sind Information, Wissen und Transparenz Voraussetzung.
Die Art und Weise der Saatgutzüchtung hat unmittelbare Auswirkungen auf die biologische Vielfalt unserer Pflanzen. Sie entscheidet darüber, ob die Artenvielfalt bewahrt und gefördert wird oder weitere Arten unwiderruflich verschwinden und wir damit unabsehbaren Risiken ausgesetzt sind. Von ursprünglich über 7000 Pflanzenarten, die für die menschliche Ernährung kultiviert und durch Zucht verbessert wurden, liefern heute weltweit nur noch 15 Pflanzenarten und 8 Tierarten rund 90 % der menschlichen Nahrung. 10 Unternehmen dominieren heutzutage mit Hilfe von Patenten, Gentechnik und Hybriden rund 75 % des kommerziellen, weltweiten Saatgutmarktes. Die Züchtungsziele dieser Unternehmen sind an einer industrialisierten, energieintensiven Landwirtschaft ausgerichtet, die auf die natürlichen Ressourcen, Umweltbedingungen und regionalen Besonderheiten keine Rücksicht nimmt.
Dass in den Erzeugungs- und Verarbeitungsprozessen keine gentechnisch veränderten Organismen in die Produkte gelangen, ist eine ständig wachsende Herausforderung für die Unternehmen der Lebensmittelbranche. Aktuell gibt es in Deutschland, von wenigen Freisetzungsversuchen abgesehen, keinen kommerziellen Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen. Doch besteht durch den weltweit zunehmenden Einsatz von Gentechnik das Risiko von unbeabsichtigten Kontaminationen. Diese können z.B. durch Verschleppungen beim Import von gentechnisch veränderten Futtermitteln entstehen. Auch durch die Verwendung von Aromen, Enzymen, Vitaminen und anderen Lebensmittelzusatzstoffen, die mit Hilfe von gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt wurden, können diese durch die Hintertür Einzug in unsere Lebensmittel halten. Um sicher zu gehen, dass Rohstoffe nicht mit gentechnisch veränderten Organismen kontaminiert wurden, sind aufwändige Labor-Analysen und Qualitätssicherungsmaßnahmen notwendig. Diese Kosten werden nicht von den Verursachern, den Unternehmen die auf Gentechnik setzen und in den Verkehr bringen, getragen. Sondern zu guter Letzt von uns Verbraucherinnen und Verbrauchern.
Es geht wie hier beschrieben nicht nur um das Siegel ‚Ohne Gentechnik‘. Saatgut ist die Grundlage unserer Ernährung und Jahrtausende altes Kulturgut. Saatgut patentieren zu lassen und gezielt die Fortpflanzungsfähigkeit von Saatgut zum Zwecke der Gewinnmaximierung zu vernichten, gefährdet die Ernährungssicherheit aller Menschen und missachtet das Recht auf Ernährungssouveränität der Völker. Es gehört nicht in die Hände von privaten Konzernen!
Wie Wasser ist auch Saatgut ein Gemeingut und hat zum Wohle aller Menschen als solches weiterhin frei verfügbar zu sein. Zugang zu freiem Saatgut lässt sich beispielsweise über einen gemeinnützigen Fonds herstellen. Seine Finanzierung kann aus Mitteln aller an der Wertschöpfungskette Beteiligten – von den Erzeugern über die Verarbeitungsunternehmen bis zu den Konsumenten – realisiert werden. In diesem Sinne wird sich der Verein Die Bäcker. Zeit für Geschmack aktiv engagieren.
Seit Mai 2008 regelt ein Gesetz (EG-Gentechnik-Durchführungsgesetz) die Kennzeichnung von Lebensmitteln, bei deren Herstellung auf die „Anwendung gentechnischer Verfahren“ verzichtet wurde. Lebensmittel mit der „Ohne-Gentechnik“-Kennzeichnung dürfen keine gentechnisch veränderten Organismen (GVO) sein, solche nicht enthalten und nicht aus oder durch GVO hergestellt worden sein. Weitere Infos siehe: www.ohnegentechnik.org

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