Ein Beitrag von Kollege Mattke von `Moin Biologische Backwaren GmbH`

Auch er hat seine Gedanken über das Bäckersterben aufgeschrieben und an den Deutschlandfunk gesandt: Hans-Paul Mattke von Moin Biologische Backwaren.

Hallo Deutschlandfunk,

ich freue mich sehr, dass Sie sich mit dem Thema Bäckersterben und damit ja unmittelbar verbunden mit der Qualität von Brot, Backwaren und Essen beschäftigen.
Aus meiner Sicht geht es bei dieser Frage im übergeordneten Sinne um die Frage der Ernährungs-Souveränität.
Gutes Brot herzustellen ist im Grunde ja gar nicht schwer. Getreide, Wasser, Sauerteig, Wärme und Zeit. Das braucht man und darüber gibt es keine Zwei Meinungen.
Wir bei Moin sagen auch noch die liebevolle respektvolle Hingabe an die Prozesse der Herstellung, der achtsame Umgang mit Mensch und Rohstoff, macht die eigentliche Qualität eines guten Brotes aus, eines guten Essens. Außerdem das Bedenken des Adressanten, also dem, der das Brot und das Essen essen wird.
Jeder weiß das mit Liebe gekochtes Essen oder gebackenes Brot anders ist als ohne Liebe Zubereitetes. Und das ist das Tolle, jeder weiß es aus eigener Erfahrung, es gibt davon ein kollektives Bewusstsein. Das gilt nicht nur für die eigene Küche, es gilt auch für eine professionelle Bäckerei, meiner Ansicht nach unabhängig von der Größe. Ich folge nicht dem Romantischen Bild von klein = gut. Mein Kriterium ist mit Achtsamkeit gemacht, den Adressanten als Esser, dem es nach dem von mir gebacken Brot, Brötchen oder Croissant gut gehen soll, bedacht. Oder eben ohne Achtsamkeit gemacht, und den Esser auf das mir zu bezahlende Geld reduziert. Gute Backware braucht also Hingabe und achtsames Umgehen mit den Prozessen. Gutes Essen herstellen braucht suveräne Bäcker, Landwirte und Köche und nicht zuletzt souveräne Verbraucher.
Das Aussterben der verantwortungsvollen denkenden Essenshersteller ist eng verbunden mit dem Aussterben der souveränen, denkendem Verbrauchern.
Glaube ich lieber den romantisierenden Medien, Bildern der Lebensmittelkonzerne, glückliche lila Kuh auf der blumigen Weide, üppige Tomatensoße rührende Italienerin, als meiner eigenen Wahrnehmung?
Eine Industrielle, voll durchgestylt, super exakte Pizza hat wenn man Sie aus der Verpackung nimmt und sie achtsam ansieht, doch eher Ähnlichkeit mit einer Radkappe, was ja kein Wunder ist, denn sie ist nach den gleichen Grundsätzen hergestellt.
Gutes Essen ist das nicht, aber na ja, es muss ja schnell gehen. Ähnlich ist es mit industriell gefertigten Broten und Brötchen, die zwar wie Brot oder Brötchen aussehen, aber keine mehr sind. Es sind Attrappen die uns dumm machen, da wir bei jedem Kauf unsere eigene Wahrnehmung ausschalten müssen um sie dann überhaupt essen zu können. Und leider hat diese Attrappen- Herstellung auch vor den so genannten Handwerksbäcker nicht halt gemacht.
Dank der mächtigen Backmittel-Industrie, immer müder Kollegen, haben so genannte Hilfsstoffe in die Backstuben in Europa Einzug gehalten, die der Bäcker in seiner Wirkungsweise nicht mehr versteht , die ihm aber scheinbar erlauben seine Prozesse nicht mehr so genau und achtsam zu kennen und zu steuern. Und trotzdem ein tolles Brot, 200 Sorten täglich frisch , super, super, super , zu backen. Jedenfalls scheinbar!! Auch er verlässt also, aus meiner Sicht, dann die Ebene des Souveräns, verlernt seine eigene Wahrnehmung, ist dann irgendwann nicht mehr Herr der Prozesse und verliert seine Glaubwürdigkeit.

Das alles dient meiner Meinung nach im Ganzen der Abschaffung des Souveräns und ich bin sehr froh das es wenn auch wenige Frei-Bäcker gibt, die gutes Brot machen können, die Auszubildende gut ausbilden, die mit Rohstoffen die Sie kennen und begreifen arbeiten, die Verantwortung übernehmen und die sowohl die Prozesse der Herstellung als auch Ihre Mitarbeiter und Kunden lieben, gibt .
Und ich lade alle Lebensmittelhersteller, Bäcker, Köche, Landwirte, Metzger, ein schließt euch zusammen, und bleibt werdet souverän.

Mit freundlichen Grüßen
Hans-Paul Mattke
Moin Biologische Backwaren Gmbh
25348 Glückstadt

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